Kategorie: Architektur | Wohnen

Die schrägsten Bauruinen der Moderne

Die irrsten Bauruinen der Moderne. Endlich ein Architektur-Buch ohne Glamour. Der italienische Kulturkritiker Alessandro Biamonti sammelte die größten Bausünden des 20. Jahrhunderts. Auch bei den irrsten Bauprojekten stand am Anfang immer die Begeisterung, meist auch Aufbruch in etwas noch nicht da gewesenes. Zu sehen ist Bauwahnsinn aus Asien (ganze Retorten-städte), Diktaturbauten (Monumentalbauten stärken das Ego der Mächtigen), aber auch mittlerweile verwachsene Vergnügungsruinen wie der Spreepark nahe Berlin. Allesamt kulissentauglich für Horror und crime. Interessant sind auch Biamontis Kategorien für die kläglich gescheiterten Ruinen: zu groß, ein falsches Geschäftsmodell, zu hässlich oder an den Nutzern vorbei geplant. Dabei hat Scheitern immer eine positive Komponente: die Verweigerung des Perfekten.  Ein Trost: Beton ist vergänglich und die Reste eignen sich wie seit Jahrhunderten für Kultur-Touristen und -Forscher.

ArchiFlop. Die spektakulärsten Ruinen der modernen Architektur, € 29,95 | click.

Ein Buch über die dunkle Seite der Architektur

Für dieses Buch spar ich mir den Witz über Schwarzbauten. BLACK ist ein Bildband über Häuser in einer Farbe, die für viele keine ist: schwarz. Über 150 Beispiele aus 1000 Jahren belegen, dass Häuser nicht weiss, grau oder beige sein müssen. Schwarze Häuser sind extravagant und schlicht zugleich, in jedem Fall – wenn es die lokale Bauordnung zulässt – sehr akzentuiert. Sie wirken geheimnisvoll, mitunter düster und unnahbar, vielleicht ist es deshalb die Farbe von vielen Bürogebäuden. Unter den abgebildeten Häusern sind Bauten bekannter Architekten wie Mies van der Rohe, es gibt aber auch viel neues und unbekanntes zu entdecken. Die Autorin hat mit Kirchen, Bibliotheken und Museen viel öffentliches und imposantes schwarz zusammengesammelt. Ein richtig überraschendes Exponat hat Stella Paul zwei Stunden nördlich von New York entdeckt. Die Villa Peakock Hill des exzentrischen Künstlerpaares Rob Pruitt und Jonathan Horowitz erinnert an Hitchcocks Psycho – ein Haus als bewohnbares Kunstwerk. Schwarz ist also doch eine richtig gute Hausfarbe!

Das Buch ist nicht nur wegen des schwarzen Umschlags und den überraschenden Häusern ein Gewinn, auch die Texte können sich lesen lassen. In Summe ist das Buch ist für uns alle, die schwarze Häuser supercool finden, dann aber ihrem Maler sagen „nee, doch lieber nich.“ Wozu gibt es schließlich schwarze Legosteine!

Stella Paul, Architecture in Monochrome, € 28,99 | click.