Packend und mysteriös: ein Heilbad in den Alpen verschlingt Menschen

Eine graphic novel rund um eine faszinierende Therme. 

Um die 1996 von Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor gestaltete Berg-Therme Vals in Graubünden kennen zu lernen,  verlängerten wir vor einigen Jahren unseren Skiurlaub. Wir trafen auf einen Ort der völligen Reduktion auf Berg, Wasser und Ruhe. Folglich war es verboten, die Badeliegen auch nur fünf Minuten mit Handtüchern zu belegen – wie von Geisterhand wurden sie beiseite geräumt. Jetzt ist die Therme geheimnisvoller Schauplatz der überaus erfolgreichen graphic novel Der Magnet. Der Zeichner Lucas Harari (*1990) brach sein Architekturstudium ab und studierte dann alten Drucktechniken, lebt in Paris. Das beste aus beiden Studien fliesst in seine erste Veröffentlichung ein, die auf einen nachhaltigen Besuch als Kind in Vals zurückgeht. Mit seinem alter ego, dem Architekturstudenten Pierre, kehrt Harari an den beeindruckenden Ort zurück.

Gibt es eine Geheimtür zum Berg?

Der Magnet scheint in der Therme Vals verborgen. Das Heilbad besteht aus Betonquadern, die durch die Ummantelung mit regionalem, dunklem Gneis ihre einzigartige und geheimnisvolle Ausstrahlung erhalten. Mit seinem Zeichenblock (fotografieren verboten!) versucht Pierre, dem verschachtelten Geheimnis der Räume auf die Spur zu kommen: ist in der Therme das Tor zum Berg versteckt? Ein Berg, der Menschen anzieht und verschluckt, für kurze Zeit oder für immer, wie eine alte Geschichte erzählt. Und plötzlich verschwinden Pierres Aufzeichnungen.

Harari springt zwischen realer Umgebung (die Bewunderung für Zumthor ist sehr präsent) und Fiktion mit geheimnisvollen Begebenheiten hin und her. Mystery-Ungeübte wie ich müssen sich in die diversen Diffusitäten einlesen und auch damit leben, dass einige Erzählstränge offen bleiben.

Von Anfang an hatten Comics und Architektur eine enge Verbindung. Die zeichnerische Perspektive ist wichtiges Element in beiden Künsten, ebenso das Visionäre. Harari wechselt die Zeichenstile: ist Architektonisches im Spiel, zeichnet er eine ligne claire mit präzisen Konturen, superrealistischen Perspektiven und klarer Kolorierung, geht’s um Dramatik zeichnet er wie ein schnell geschnittener Action-Film.

Ein spannendes Bilder-Vergnügen bis zum Schluss!

Die geheimnisvolle Geschichte um die Therme am Berg ist auch für Mystery-Einsteiger ein dramatisches Vergnügen samt page-turner und bleibt spannend bis zum Schluss. Beim mehrmaligen Lesen des aufwändig gestalteten Buchs entdeckst du immer wieder neue Details und Anspielungen: E.A. Poes Rabe taucht in der Finsternis auf, ein Mini-Findling fällt Pierre bei der Anreise in die Hände und spielt immer wieder ein Rolle, Pierres nächtliches Abenteuer im Hotel heisst Ondine (die Wellengöttin). Erst das dicke, großformatige Abenteuerbuch und dann die Therme Vals – in beides muss man mal eintauchen.

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(c) Lucas Harari/edition moderne

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