Am Ende aller Laster

Aller Laster Ende: mobile Kunst auf der Autobahn. Diese Idee kann nur in einem Autobahnstau entstanden sein – hinter gefühlten 500 LKWs wartend: drei Jahre war der Foto-Künstler Peter Piller auf Autobahnraststätten unterwegs und fotografierte die bebilderten Rückseiten von LKWs. In sein Buch Erscheinungen kamen allerdings nur Werbemotive von Frauen in 80 großformatigen Abbildungen. Immer wieder stellt Piller neue Bildarchive zusammen: nach „Schießende Mädchen“ und „Schlafende Häuser“ eben LKW-Rückansichten, die wir tagtäglich sehen, aber nicht wirklich wahrnehmen. Diesmal eben ein Buch mit weiblichen Werbebildern. Die Texte dieser fahrenden Werbeflächen lässt Piller allerdings verschwinden – wir wissen also nicht, um welches Botschaft geht – und zeigt damit, was mit Werbung geschieht, wenn man ihr die message nimmt. Übrig bleiben wenig marienhafte Erscheinungen, die plötzlich vor uns auf der Autobahn auftreten. Und die Überraschungen über Ikonen der Logistik als Versatzstücke einer ironischen und leicht abgründigen Pop- und Werbekultur. Unser nächster Stau wird anders, denn Kunst ist überall zu entdecken. Wir müssen sie nur erkennen, nicht nur auf der linken Spur. Ein Augen öffnendes  Buch und ein echtes Sammlerstück.

Archiv Peter Piller, Erscheinungen, € 49,80 | click.

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