{"id":375,"date":"2018-06-07T11:27:36","date_gmt":"2018-06-07T09:27:36","guid":{"rendered":"http:\/\/trooboox.de\/wordpress\/?p=375"},"modified":"2019-02-17T07:38:49","modified_gmt":"2019-02-17T06:38:49","slug":"375-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/trooboox.de\/wordpress\/375-2\/","title":{"rendered":"Wim Wenders entspannte Biographie in Polaroids"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1858 alignleft\" src=\"https:\/\/trooboox.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Wenders_SofortBilder_Cover_MO-247x300.jpg\" alt=\"\" width=\"247\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p><strong>Unser Treffen mit Wim Wenders hatte KaHa Mayer eingef\u00e4delt.<\/strong> Kurz bevor <em>Der Amerikanische Freund<\/em> in den Kinos anlief, empfing uns Wenders mit der scheuen (oder desinteressierten) Lisa Kreuzer in seiner M\u00fcnchener Villa, wo wir gemeinsam Standfotos in bestechendem schwarz\/wei\u00df f\u00fcr unser Literaturmagazin ausw\u00e4hlten. Auf dem Tisch lagen jede Menge Fotos von Dennis Hopper, wir w\u00e4hlten das ausdrucksst\u00e4rkste f\u00fcr das Cover. Damit wurde es f\u00fcr 1977 ein richtig cooles Heft, aber auch unser vorletztes. Als ich jetzt auf der Buchmesse Wenders Buch\u00a0<em>Sofort Bilder<\/em> entdeckte, \u00e4rgerte ich mich, dass wir ihn damals nicht nach seinen Polaroids gefragt haben.<\/p>\n<p><em>Sofort Bilder<\/em> ist eine wunderbar entspannte Autobiographie in \u00fcber 400 Polaroids aus Wenders fr\u00fchen Filmjahren, garniert mit shortshort stories seiner Erlebnisse und wenigen Fotos von Annie Leibovitz. Wie anders als so, sollte ein K\u00fcnstler wie Wenders sein Leben erz\u00e4hlen &#8211; als in Bildern rund um seine Filme.\u00a0F\u00fcr den Leser und Betrachter ist es\u00a0ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass diese Lebensschau in Fotos einer Polaroid SX 70 geschieht, die immer wie Originalschnipsel Leben wirken. \u00a0Wie in seinen Roadmovies entwickelt sich sein Leben fast wie ohne Plan und Drehbuch, vieles, was dokumentiert ist, geschieht einfach und ergibt erst zum Schluss ein Ganzes. Und wie die echten Lebensgeschichten haben die Polaroids\u00a0 immer wieder Kratz- oder Knickspuren, sind in ihren Farben verblasst, und manche wirken in ihrer Unsch\u00e4rfe wie Filmschnipsel in Zeitlupe. Wenders erz\u00e4hlt von seinen Begegnungen mit Peter Handke und Filmgr\u00f6\u00dfen wie Sam Fuller, Sam Shepard, Nicolas Ray und eben auch mit Annie Leibovitz auf einer gemeinsamen Autofahrt von San Francisco nach Los Angeles. Und dann ist da noch sein ganz besonderer Abschied von John Lennon: mit einem Kurztrip nach New York beendet Wenders f\u00fcr sich das Ende einer ganzen \u00c4ra.<\/p>\n<p>In der deutschen Filmlandschaft nahm Wim Wenders schnell eine besondere Stellung ein. Kaum war der cineastische Aufbruch im Deutschland der sechziger Jahre durch Regie-Kollegen mit urdeutschen Themen und Manifesten geschafft, setzte er sich ab und erschloss sich die Welt, bevorzugt in den Vereinigten Staaten. Zuvor zeigte er uns noch, dass Oberfranken und Arizona nur einen Steinwurf\u00a0 voneinander entfernt sind. Es war lediglich eine Frage des Bildausschnitts. Und auch der Bildausschnitt ist es, der viele Polaroids wie Vorl\u00e4ufer von selfies und von hektischen shots der fr\u00fchen smartphones wirken l\u00e4sst, ohne Inszenierung, fl\u00fcchtig und bisweilen schlampig. Vielleicht trauert Wenders deswegen diesen Zeiten ein wenig nach: &#8222;Das Gef\u00fchl, dass es ein Original gibt, also etwas, was wirklich existiert und deswegen auf eine andere Art und Weise Beweis ist, dass das stattgefunden hat &#8211; diesen Glauben haben wir eigentlich alle irgendwie verloren. &#8230; Heute machen wir mehr Bilder als je zuvor, aber es entstehen dabei keine Originale mehr.&#8220;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1864 alignnone\" src=\"https:\/\/trooboox.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Wenders_SofortBilder_03_MO-300x237.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"187\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1865 alignnone\" src=\"https:\/\/trooboox.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Wenders_SofortBilder_17_MO-300x238.jpg\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"189\" \/><\/p>\n<p>[Anzeige] <strong>Wim Wenders, Sofort Bilder, \u20ac 49,80 | <\/strong>in deiner Buchhandlung\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3829608160\/ref=as_li_qf_sp_asin_il_tl?ie=UTF8&amp;tag=wwwtroobooxde-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;linkCode=as2&amp;creativeASIN=3829608160&amp;linkId=699e76af28608358d3b073475633837b\">oder hier.<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Wer Originale sehen will, hat mehrere Chancen: bis 11. Febuar ist die Ausstellung mit seinen Polaroids in der Londoner <a href=\"https:\/\/thephotographersgallery.org.uk\/whats-on\/exhibitions\/wim-wenders-instant-stories\">Photographer&#8217;s Gallery<\/a> zu sehen, danach bei <a href=\"https:\/\/www.co-berlin.org\/vorschau-2017\">C\/O Berlin<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Treffen mit Wim Wenders hatte KaHa Mayer eingef\u00e4delt. 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