Kategorie: Genuss | Food

Italienische Kochbücher kann man nie genug haben! Sie sind wie Urlaub.

Dieser dicke und flippige Rezeptewälzer braucht Spuren von Olivenöl und Tomaten:  fast 500 Seiten zwischen festen knallgelben Buchdeckeln mit vielen Rezepten und Informationen. Statt slow und fast food gibt’s einfach good food, das Laune macht. Die Schwerpunkte von BIG MAMMA liegen  entsprechend der hippen Essgewohnheiten bei Pizza, Pasta und Dolci, aber auch bei  angesagten Brunchrezepten und Cocktails. Aufwändige Fleisch – und Fischrezepte sind kaum vertreten, aber dafür hat man ja noch die Kochbuch-Klassiker aus den 90er Jahren im Küchenregal.

Dafür erspart uns der Einsatz von BIG MAMMA endlose Brunello-Gespräche bei Tisch: Er:  “ich sag euch, die superechte Carbonara wird natürlich ohne Panna gemacht, nur deutsche Mütter kippen Sahne . . . und ohne cinghiale Speck aus der Maremma kriegst du den Geschmack nicht hin.“ Sie: „Eigentlich war die Küche schon geschlossen, aber dann hat uns Gianfrancos Oma noch die köstlichsten. . .“ Endlich können sich die Gäste über die neuesten netflix-Serien unterhalten und gleichzeitig feine Sachen geniessen. Die Gerichte heißen dann schon mal  Pasta Jean-Claude Vitello, Emile Gorgon-Zola, Napoli Badass, Mamma Detoxissima oder Red is Dead. Bei so viel kulinarischer Hingabe ist der Untertitel „con molto amore“ schon ein Gewürz zu viel. Das Buch käme auch ohne die zahllosen Gefühlverstärker richtig gut daher.

Du findest bei BIG MAMMA einige Neuinterpretationen der italienischen Klassiker: nicht alle sind notwendig, aber dadurch wird die eigene Kreativität angeregt. Da dürfen pulled pork nicht fehlen (genannt Schwein fein) und auch Italo-veggie ist gut vertreten. Und endlich gibt’s mal ein italienisches spare ribs-Rezept.

Das Rinderfilet fürs Carpaccio classico wird vor der Verarbeitung als ganzes kurz und scharf angebraten, warum? Das rohmarinierte Fleisch brauch keine Röstaromen. Dafür gibt’s eine interessante  Variante mit Apfelschnitzen!

Da ich ein Fan der Resteverwertung bin (taste the waste), koche ich Frittata di Linguine nach: dicke Spaghetti vom Vortag und was einem sonst noch unterkommt (Wurst, Fleisch, Gemüse, Oliven etc.) wird mit Mozarella, Eiern und Tomaten sugo vermischt und kernig angebraten. Ich hatte beim Originalrezept ein bisschen zuviel Flüssigkeit verwendet, also wurde die Frittata ein wenig suppig. Am besten den sugo vorsichtig verwenden und etwas nachgeben, wenn die Pastamasse zu trocken erscheint. Das Resultat war wirklich lecker und wird beim nächsten Mal perfektioniert. Es kann jede Pasta verwendet werden, mit Linguine ist’s optisch am lustigsten. Rezept siehe bei den book hacks.

Das Buch hat viele Facts, Produktinformation und Chef-Tipps: Woran erkannt man gute Dosentomaten? Denn ohne die eingedosten basics  geht’s nicht, wenn du ganzjährig Italoflair willst und auf frische, aber geschmacklose Ganzjahresware verzichtest.

Der beste Tipp: Pasta sehr al dente abgiessen, zuvor etwas Nudelwasser in den fertigen Sugo geben und darin die Pasta kurz und knackig fertig garen. Gekonnte Schwenken der Pfanne verbindet sugo und pasta und macht die Speise fluffig.

Das französisch-italiienische Autoren- und Koch-Kollektiv  unter Victor Lugger und Tigrane Seydoux  kocht mit einer Prise Jamie Oliver-Show und 1 kg frisches Gefühl. Schwarze Pasta mit Tintenfisch heisst dann eben Black Mamba, die Mengenangaben sind „per 4 amici“ – na wenn das kein Programm ist! Die einleitende Bemerkung „Legen Sie damit Ihr Tinder-Date flach“ kann man auf den Speiseplan setzen, muss man aber nicht. Unbedingt direkt neben dem Herd aufbewahren.

[Anzeige] Big Mamma, € 35 | in deiner Buchhandlung oder bei   oder hier.

Die tollsten Bars der Welt

Die tollsten Bars auf der ganzen Welt, nur in der Antarktis Fehlanzeige: viel Eis, aber keine Cocktails. Nach Where to eat Pizza ist ein neues Standardwerk für globale Geniesser erschienen. Diesmal verraten die besten Barkeeper der Welt ihre Lieblingsbars und -drinks. Meist genannt ist dabei die Cocktailbar Artesian in London mit Chef Gabor Fodor und seiner größten Auswahl an Rum-Sorten. Über diese Lieblingstheke hinaus empfehlen die über 200 Spezialisten 750 richtige Plätze „to be“ auf fünf Kontinenten. Das Buch gibt auch Antworten auf die lebenswichtigen Barfragen: wo ist der beste Sitzplatz, wann ist die beste Zeit, welches der beste Drink. Wer gerade auf dem Weg nach New York ist, sollte im Dead Rabbit vorbei schauen. Der Pub ist Bar des Jahres 2016, liegt ziemlich zentral und bietet nicht nur Iren eine Heimat – sagt man. Es macht großen Spaß und meistens auch Durst durch die Bars dieser Welt zu schlendern. Mein persönlicher Favorit ist die Schirmbar auf der Insel Juist mit Deutschlands schönstem Sonnenuntergang (nicht im Buch).

Where Bartenders Drink, € 17,99 | click.

Pizza rettet die Welt

Start in die Reisesaison: die besten Pizza-Locations auf dem Globus. Endlich ein Reiseführer ohne gotische Kirchen und Nationaldenkmäler, dafür ein guide für die fans des italienischen Teigfladens. Das Buch enthält Insider Tipps von über 1.000 Pizza-Experten weltweit mit über 1.700 Pizza-Spots in 48 Länder. Pizza aller Art, mit dünnem oder dickem Boden, aus der Pfanne, aus dem Holzofen, to stay  oder to go, auf dem bemalten Teller oder im durchweichten Karton in New York, Japan, Indien und natürlich auch in Neapel.  Daniel Young hat über seinem schmackhaften blog youngandfoodish.com sein Pizza-Netzwerk geknüpft und einen weltumspannenden Reiseführer daraus gemacht. Ein yummie-Buch.

Daniel Young, Where to eat Pizza, 576 S., € 18,99   |  willichhaben   

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