Kategorie: post

[tru:buks] slow lane im April: No walk in the park | Paperbook vs. digital | kalte Gerichte wärmen die Seele.

A walk in the park

Mein Joggingareal „Augarten“ ist im Rahmen der Sondermaßnahmen gesperrt, obwohl Großgrün in der Stadt ein knappes Gut ist. Andere Parks sind geöffnet. Es ist schon wieder Wahlkampf in Wien: Bundesgärten (ÖVP) bleiben geschlossen, städtische Parks (SPÖ) wie der Prater bleiben zugänglich. Die jeweils mitregierenden Grünen ziehen diesbezüglich die Köpfe ein. Mein Augarten um die Ecke gehört leider dem Bund. Natürlich sind Parks eine Grauzone beim Durchhalten der strikten Maßnahmen. Aber wie in Berlin und München – ein bisserl Anarchie darf auch in diesen Zeiten sein.

Reality check für Bücher: Print vs. digital

Die Bücher für meine beiden nächsten posts liegen hier. Eines physisch als gedrucktes Buch, das andere im Buchordner meines iPads. Auf beide Bücher bin ich gespannt, die posts werden bis Ostern entstehen. Und doch nehme ich sie sehr unterschiedlich wahr. Kleiner reality check für Print vs. digital. Das gedruckte Exemplar – einen Comicband – finde ich sorgfältig verpackt im Briefkasten. Ich freue mich. Meine Adresse ist „akkurat“ (wiedergefundenes Wort) aufgebracht. Nach dem Öffnen des Versandkuverts blättere ich zwei-, dreimal das Buch durch, bleibe hier und da kurz hängen, denke, das wird nicht leicht, lege das Buch zur Seite. Es liegt auch noch ein kleiner Folder bei. Für das online-Buch – ein Fotobuch – bekam ich sehr freundlich einen we-transfer-link. Ich lade es herunter und lege es in meinem Ordner „Bücher“ ab. Tun, was man tun muss. Eher nüchtern.

Links gedruckter comic, rechts digitales Fotobuch (1. Seite der Datei)

Das Comicbuch liegt in Reichweite des Wohnzimmersofas, ich beachte es oft im Vorbeigehen. Abends, während der vielen Sondersendungen, nehme ich es immer wieder zur Hand, entdecke Stellen für einen thematischen Einstieg, freunde mich langsam mit ihm an, die Beine ausgestreckt. Am nächsten Tag wische ich mich an meinem Schreibtisch durch das Fotobuch. Wirklich sehr viele entlarvend amüsante Fotos einer Deutschlandreise, die Auflösung ist leider etwas mau, die sehr treffenden Bildunterschriften kann ich bei der verkleinerten Doppelseiten-Darstellung kaum entziffern. Ich leg mir das morgen auf den großen Bildschirm.

Zur Erholung greife ich wieder zum gedruckten Comic „Happy Palace“, blättere, suche mir eine geeignete Stelle und fange an. Das Fotobuch „Heiter bis wolkig“ hole ich mir später auf den Schirm. Wischen ist Macht.

Ich freue mich auf beide Bücher!

Mediterranes Essen hilft immer: Entlang der Küste

Auch kalte Gerichte wärmen die Seele. Ein wunderbares Koch- und Reisebuch führt uns in die Regionen um Barcelona, Marseille und Genua. Pasta- und Risottogerichte, Fischsuppen und Nachspeisen sind sich am westlichen Mittelmeer sehr ähnlich und doch bestechen die regionalen Feinheiten und Unterschiede. Lecker Entlang der Küste.

Q | boox bei booklooker

Eigentlich ist hier Platz für Sammlerstücke aus meinem Bereich Q | boox vorgesehen. Das Angebot muss ruhen, denn ich kann leider von Wien aus keine Bücher verschicken. Bitte Geduld, bis dieser schlechte Film vorbei ist. Meine Buchangebote bei booklooker sind trotzdem sichtbar.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist hacks-dog-2-e1521995622905.jpg

[tru:buks] slow lane: ein Verleger haut um sich + Brinkmann wäre 80 + ein tolles Triple

Unsichtbar Verlag gibt auf

Diese Meldung wäre nicht weiter aufsehenerregend, wenn mir seit Anfang des Jahres sein Verleger Andreas Köglowitz nicht dauernd medial über den Weg laufen würde. Als Therapie zur Aufarbeitung. In einer umfangreichen, wenig reflektierten Anklageschrift nennt er alle Schuldigen an seinem Dilemma. Zu Recht beklagt er die mangelnde öffentliche Förderung von Verlagen (stimmt – besser machen’s Österreich und Norwegen) und die Preispolitik der Deutschen Post (stimmt – die Preise für Bücherversand wurden in 2 Jahren fast verdoppelt). Der Buchgroßhandel bekommt sein Fett weg („machen dicke Kohle“ – ich glaube nicht, dass alles innerhalb von 24 h lieferbar sein muss? Ist ohnehin nicht nachhaltig!). Und auch der gemeine Buchhändler wird bis auf wenige Ausnahmen nicht geschont: link und ignorant können sie sein – unsere Buchhändler.

Seine Verallgemeinerungs-Keule zieht Köglowitz auch über die Autoren selbst und hält fünf Prozent für unausstehlich. Auf die Gesamtbevölkerung gesehen eigentlich ein akzeptabler Wert, es gibt schlechtere communities. Ach ja, und auch das Smartphone trägt Mitschuld an seiner Verlagsmisere (keine Zeit für Bücher, echt jetzt?). Zu allem Übel hat ihm das Virus auch noch seine Abschiedstour auf der Leipzig-Messe vermasselt. Die Welt ist einfach schlecht. Schön für mich, dass immer noch kreative Kleinverlage nachkommen und trotzig weiter machen.

Rolf Dieter Brinkmann wäre 80

Kleinstadt-Jugend

Im April würde der erste deutsche Pop-Poet Rolf Dieter Brinkmann seinen 80. Geburtstag feiern. Am 25. April 1975 versuchte er nach einer Lesung in London vor einem Pub Shakespeare (!) die Strasse zu überqueren. Der Linksverkehr war wohl sein Schicksal. Wie wäre sein schriftstellerisches Leben weitergegangen? Er hatte im gleichen Jahr posthum den Petrarca-Preis bekommen. Wer weiß, ob er ohne seinen frühen Tod in den Genuss des Preises gekommen wäre. Wahrscheinlich hätte er aber nach der Veröffentlichung von Westwärts 1 & 2 stattdessen den Büchner Preis bekommen. Danach konnte er allerdings mit seinen folgenden Publikationen nicht an den Erfolg von Westwärts anschließen. Vielleicht hätte er Mitte der 80er Jahre einen Lehrauftrag für klaustrophobisches Schreiben an der Universität Leipzig übernommen und wäre nach dem Fall der Mauer zurück nach England gegangen. Zu seinem 80sten würde der Ullstein-Verlag eine Gesamtedition publizieren. Who knows? Einen Überblick mit überraschenden Fundstücken über RDBs frühe Jahre in seiner Heimatstadt Vechta bietet der Katalog /:Vechta! Eine Fiktion!/. Ein Sammlerexemplar gibt es auf meiner booklooker-Seite.

Delicious Wintertime

Noch ist es kalt genug, um sich mit Freunden und outdoor-Kulinarik zu beglücken. Der post über das feine Kochbuch Delicious Wintertime bietet slow und soul food für urbane Hüttenfreaks auf Terrassen, Balkonen und in freier Wildbahn.

Ein tolles Triple

Fellini, Pitigrilli, Eheglück

Drei originelle Taschenbücher: 1. Fellinis Klassiker La dolce vita als Buch zum Film. Mit Marcello Mastroianni durch römische Partynächte. Ein rororo Taschenbuch von 1961 mit Abbildungen auf Kunstdruckpapier (sic!). 2. Der skandalumwobene Autor Pitigrilli bringt uns zurück in die 20er Jahre. Acht Erzählungen über vergebliches und erfolgreiches Liebeswerben. 3. „Sprechstunde für Brautpaare“: amüsanter Erotikratgeber der 50er mit absolut braven Abbildungen. Aus der Reihe „Liebeslust und Eheglück“. Ein Überraschungsgeschenk! Achtung, die Bücher gibt’s nur einmal – first come, first served: trooboox bei booklooker.de

Macht Volksmusik wirklich glücklich?

[boostyourcoffeetable: Wir müssen nicht alle Bücher lesen. Oft genügt es, dass wir sie haben, darüber reden und zeigen. Von der Decke hängend, in einer geöffneten Schublade, ganzjährig auf der Terrasse oder eben auf dem coffee table.]

Volksmusik von Lois Hechenblaikner: , 152 S., 120 Fotos, Steidl Verlag | € 38.-

Was du über das Buch Volksmusik wissen solltest.

Seit Jahren beobachtet der Tiroler Lois Hechenblaikner mit seiner Kamera, wie Tourismus und mehr noch die Touristen seine Heimat verändern. Zu dieser Feldforschung gehört auch der Besuch von volkstümlichen Konzerten und Hansi Hinterseer-Wallfahrten. Dort porträtiert er mit professionellem Respekt die Besucher, vorrangig aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie alle Fans suchen sie Halt in der Gemeinschaft Gleichgesinnter und hoffen, dem Dilemma des Lebens außerhalb der seichten Liedzeilen und Harmonien zu entfliehen. Den Einheimischen bleibt da nur die Flucht, sofern sie nicht an den Events mitverdienen.

Warum passt Volksmusik auf deinen coffee table?

Um sie zu schonen, hält Hechenblaikner größtmögliche Distanz zu den Fotografierten. Dennoch sind viele der volkstümlichen Fans einfach zu crazy: in ihren Fantasy- und Pseudo-Trachten kostümiert entbehren sie nicht ungewollter Komik. In ihren Gesichtern ist abzulesen, wie schwierig es ist, das Leben so lieblich wie in Gabaliers Schlager Hulapalu zu gestalten. Aber die Fotos bieten uns auch Trost: das Dilemma haben immer die anderen.

Der beste Platz für Volksmusik:

Den mutig schrägen Fotoband im Eingangsbereich platzieren. Du kommst nach Hause und bist sofort in Feierabendlaune, eintreffende Gäste führt er gleich mal aufs Glatteis. Meine Lieblinge sind die Seiten 55 und 81. Volksmusik verdient vier von fünf coffee tables.

Alle Fotos aus Lois Hechenblaikner Volksmusik verlegt bei Steidl.