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trooboox ist in der Sommerfrische. Ab September gibt es wieder tolle Bücher, über die man spricht.

Ab September gibt es wieder regelmäßig Tipps zu tollen Büchern, über die man spricht. Die aktuellsten und interessantesten Neuerscheinungen aus den Bereichen Genuss, Reisen, Kultur und spannenden Lebensräumen. Neu bei trooboox ist dann das Regal Q|boox mit literarischen Sammlerstücken ab 1920, die den Charme von Erstausgaben erschließen. Aber jetzt ist erst mal Sommerpause.

Riccione (c) Claus Pohl

Kühe pupsen nicht nur für’s Ozonloch. Ohne sie gäbe es uns gar nicht!

Natur- und Tierbücher über Bienen und Bäume sind gerade angesagt. Höchste Zeit also für einen fetten Bildband über Kühe und Rinder! „Die Kuh. Eine Hommage“.

Unsere gängigen Haustiere Hühner, Hunde, Katzen, Schweine und Gelbhalswassernatter – alles ok. Aber kein Tier ist und war für den Menschen so wichtig wie die Kuh. Ihr Fleisch lieferte Proteine zur Entwicklung des Gehirns unserer fernen Vorfahren, ihre Milch nährt unsere Nachkommen, ihr Fell wärmt uns oder schmückt unsere Autositze. Auf jedem Fleckchen unserer Erde.

Dem österreichische Bio-Pionier Werner Lampert (Jahrgang 1946) ist die Initiative und die Struktur dieses beeindruckenden Buches zu verdanken. Lampert hat schon in den 60er Jahren Nachhaltigkeit zu seinem Lebens- und Geschäftsmodell gemacht. U.a. entwickelte er erfolgreiche Bio-Produktlinien für zwei österreichische Supermarkt-Ketten. Mit einem Team von Fotografen und Redakteuren hat er wirklich alles zum Thema Kuh zusammen getragen. Faszinierend und informativ macht das Buch Lust auf Wissen.  

Dabei sind die Kauer mit vier Mägen unter Städtern nicht unumstritten: etwa alle 40 sec. sucht sich bei der Kuh Methangas den Weg ins Freie, ca. 300 l kommen so täglich pro Kuh zusammen. Die Massenhaltung von Turbokühen zur Deckung des Fleischbedarfs hat diesen Ausstoß verschärft, die nachhaltig gehaltene Weidekuh ist kein Klimakiller. Und die Fladen ihrer Verdauungsreste dienen der ökologischen  Energiegewinnung. Unsere Klimaprobleme entstehen immer aus Maximierungs- und Optimierungswahn.

Da liegt nun ein dreieinhalb Kilo Bildband mit fast 500 Seiten im Großformat. Werner Lampert hat Unmengen an überraschendem Wissen zusammen getragen: so z.B. über die Rasse Sacha Ynaga im nordsibirischen Jakutien. Sie halten übers Jahr 100 Grad Temperaturdifferenz aus und geben noch bei Minustemperaturen über 60 Grad lebenswichtige Milch aus ihrem umfellten Euter.

Kühe und Rinder sind leider grausame Beispiele für die Optimierung unserer Nutztiere: eine Hochleistungskuh gibt bis zu 20.000 l Milch im Jahr, lebt allerdings nur vier bis fünf Jahre. Die „analoge“ Kuh etwa 6.000 l mit einer Lebenserwartung von 20 Jahren. Das zeigt das Buch: Lampert ist ein Verfechter für Tierhaltung in ihrer natürlichen Umgebung. Mit großer Empathie und Liebe für Tier und Halter sieht er Kühe nicht als Nutztiere sondern Gefährten.

Wir erfahren in dieser Hommage alles über Abstammung, Lebensraum, Bestände, ihr Wesen und ihre Besonderheiten. Spannend sind auch die Verbreitungswege über die Ozeane hinweg. Die Fotos sind durchwegs hervorragend, manche verlieren durch übermotivierte Bildbearbeitung etwas von ihrer natürlichen Ausstrahlung. Wenn Hintergründe zu stark abgesoftet oder Rinder zu stark konturiert werden. Aber immer zeigen sie Würde, Gelassenheit und Einzigartigkeit der Tiere.

Das Buch ist gleichermaßen für Wissensdurstige und Ästheten. Von wegen blöde Kuh! Ihr einzigartiger Blick betört uns, Kühe sind einfach kuhl.


(c) teNeues

© Die Kuh – Eine Hommage von Werner Lampert, erschienen bei teNeues, € 49,90, www.teneues.com

Dreissig Kerzen für deinen game boy! Und ein 8-bit-Geburtstags-Ständchen.

Im April 1989 wurden in Japan die ersten Gemu Bois verkauft. Dreissig Jahre später gibt es einen guten Grund seine digitale Kindheit mit game boy, Super Mario und dem russischen Spiel Tetris hervor zu kramen. „The Nostalgia Nerd’s Retro Tech – Computers, Consoles & Games“ zeigt uns die zu ihrer Zeit besten Systeme von Atari bis Xbox.

Als „Nostalgia Nerd“ sammelt der Autor Peter Leigh seit Jahren Retro-Konsolen und -Computer für seinen erfolgreichen YouTube Kanal. Jetzt stellte er die digitale Sammlung in einem Buch zusammen. Reich bebildert zeigt es, dass computer gaming für den Hausgebrauch schon in den siebziger Jahren verfügbar war, z.B. mit dem 4KB Apple II von 1977. Das englischsprachige Buch erinnert an die unterschiedlichsten Gerätetypen samt der jeweiligen „must plays“ und „must avoids“. Die hohe Zeit der Computer games waren die 80er und 90er Jahre mit einem Feuerwerk an Neuentwicklungen.

Der game boy war so frech und nahm die Mobilität der smart phones vorweg. Überall und zu jeder Gelegenheit spielen: auf dem Autorücksitz, beim Besuch bei Tante Hilde und unter der Schulbank. Technische Limitierung nervte noch nicht und Streaming war Lichtjahre entfernt. Erst die Nullerjahre mit den neuen spielerischen smart phone-apps läutete das Runden-Ende für Konsolen der ersten Generationen ein.

Wir haben uns einfach daran gewöhnt, uns in immer kürzeren Abständen mit der jeweils besten smart Technik zu optimieren. Retro Tech ruft uns den Reiz der Limitierung in Erinnerung zurück. Nicht alles ist möglich. Ein netter Ausflug in die Welt der kaum erkennbaren Pixel-Haufen und der sparsamen 8-bit-sounds. Less can be more, zumindest für einen Schmökernachmittag.

The Nostalgia Nerd’s RETRO TECH – Computers, Consoles & Games,  € 16,50 | in deiner Lieblingsbuchhandlung