Beinahe hätte es geklappt: die Deutsche Diamanten Republik – DDR

Am Anfang stand die Erkenntnis

Keine schlechte Vorstellung: die marode DDR wäre durch Diamantenproduktion gerettet worden. Zwei Bruderstaaten, die aus unterschiedlichen Gründen aus der Kohle aussteigen, erblühende Landschaften im Osten und weder nervige Pegida, noch nervigere AfD. Die Deutsche Diamanten Republik bildet den Hintergrund für den aktuellen Spirou-Band.

Dabei ist diese Ausgabe des Comic-Klassikers in doppelter Hinsicht ungewöhnlich. Einerseits ist dieser Band der erste, der nicht von einem frankophonen Künstler gestaltet ist. Andererseits hatte der deutsche Zeichner Flix gleich eine sehr deutsch-deutsche Geschichte im Gepäck. Die Story spielt im September 1989, kurz vor der Maueröffnung: der beste Freund von Spirou und Fantasio – Graf von Rummelsdorf – wird nach Ostberlin entführt, um bei der Rettung der maroden DDR hin zur Deutschen Diamanten Republik zu helfen. Nahe liegend: Diamanten aus Braunkohle gepresst, und das lange vor der Energiewende. Samt Eichhörnchen Pips machen sich die beiden mit einer fliegenden Bretzl auf den Weg nach Berlin-Tegel und dann auf die dunkle Seite der Mauer.

Der überaus erfolgreiche Zeichner Flix (Felix Görmann, * 1976) beschickt derzeit wöchentlich die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit der Serie „Glückskind“. In der FAZ erschienen schon seine Erfolgsserien „Faust“ und „Don Quijote“. In „Spirou in Berlin“ kann man ihm eine übertrieben runde story nicht vorwerfen. Episodenhaft und manchmal ein wenig verwirrt flattern wir durch den Band und viele Schauplätze: die Entführung des Grafen, Fantasios Stasi-Verhör, die Widerstandsgruppe um Momo samt ihrer tennisspielenden Affentruppe. Mit Ihnen und mit Materie verändernden Pilzkulturen gelingt schließlich die Tunnelflucht zurück in den Comic-Westen.

Dafür hält uns Flix mit vielen Anspielungen, Zitate und Referenzen bei bester Laune. Sie machen aus der kruden Story einen sehr lesens- und anschauens-werten Comic. Sie in den sehr abwechslungsreichen Panels mit Über- und Sonderformaten zu entdecken macht richtig Spass: die Entdeckung der geheimen Tagebücher von Honnecker, Ampelmännchen auf dem Zünder einer Minibombe, Affe Boris macht bumbum und selbst vor dem Stauffenberg-Attentat macht Flix nicht halt, um dem Diktator evtl. ein rabiates Ende zu bereiten. Dazu gibt es Sprüche von Helmut Kohl, Günter Schabowski und anderen.  

Bei der Buch-Vorstellung bei Dussmann, Berlin bat ich Flix um eine Zeichnung des oox dogs:

Gut getroffen, ebenso wie „Spirou in Berlin“. Hoffentlich kommt auch noch eine „Wende“-Fortsetzung!

FLIX, Spirou in Berlin, € 16  |  hier

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